A STARTING QB FOR A 6TH ROUND PICK

A STARTING QB FOR A 6TH ROUND PICK

4. Januar 2018 0 Von Dominik Hoch

Die Arizona Cardinals sind im Umbruch. Nur einen Tag nach dem Rücktritt des Cheftrainers Bruce Arians hat auch der “Starting QB”, Carson Palmer, seinen Rückzug aus der NFL bekanntgegeben.

Carson Palmer kam 2013 durch einen Trade mit den Oakland Raiders zu unseren Cardinals, wofür man lediglich einen Draftpick in der sechsten Runde hergeben musste. Das zeigt, dass sogar innerhalb der NFL nur noch wenige von den Qualitäten des einstigen “1st Overall Picks” überzeugt waren.

Der Trade für Carson Palmer sollte sich aber schnell auszahlen und stellte sich im Nachhinein als einer der besten Trades in der langen Geschichte der Arizona Cardinals heraus.

Vom ersten Tag an war Palmer die unumstrittene Nummer Eins. Mit seiner absolut professionellen Einstellung, seiner Bereitschaft, seiner Arbeitsmoral und seinem vorbildlichen Einsatz, konnte er Coaches und Mitspieler in Windeseile von sich überzeugen. Auf und neben dem Feld avancierte er zum perfekten Führungsspieler und Vorbild, von dem sich so mancher QB eine Scheibe abschneiden könnte/sollte.

Palmer war nicht perfekt. Immer wieder hatte er einen Pass auf Lager, bei dem man sich fragte, was zur Hölle das gewesen war. Besonders die erste Saisonhälfte 2013, mit einem neu zu erlernenden Playbook und fehlender Abstimmung unter den Mitspielern, geschahen zu viele Fehler.

Das wurde jedoch von Spiel zu Spiel besser und gipfelte 2015 in der statistisch besten Saison aller Zeiten eines Cardinals Quarterbacks.

4’671 Passing Yards, 35:11 TD:INT-Verhältnis und ein Passer Rating von 104.5. Obendrauf gab es den zweiten Rang im NFL MVP Voting.

Dass man Carson Palmer nachsagt, er würde in den Playoffs stets versagen, kann man nachvollziehen. Seine Auftritte gegen die Green Bay Packers und besonders gegen die Carolina Panthers, wo allerdings das gesamte Team versagte, waren nicht gut. Dazu noch die letzten beiden Spielzeiten, als die Cardinals die Erwartungen nicht erfüllen konnten, trübten das Bild, das einige von Carson Palmer hatten aber etwas zu sehr.

Besonders diese Saison, zugegebenermassen nach schwachem Start gegen die Detroit Lions, spielte Carson Palmer stark. Dies trotz katastrophaler O-Line und fehlender Unterstützung im Lauf- sowie Passspiel. Er musste Hit um Hit einstecken, stand jedoch immer wieder auf und gab stets sein Bestes. Nicht einmal liess er sich seine Frustration anmerken und stellte diese mit entsprechender Gestik zur Schau oder legte “Diva-Verhalten” an den Tag, als es mal nicht so lief wie gewünscht.

Dass seine Karriere mit einer Verletzung, gebrochener Arm, im London Spiel gegen die Los Angeles Rams endete ist sehr schade. Ich hätte mir logischerweise einen ruhmreicheren Abgang gewünscht und bin fest davon überzeugt, dass wir mit Carson im letzten Saisonspiel bei den Seattle Seahawks zumindest noch um den Einzug in die Playoffs gespielt hätten. Aber auch das Football-Leben ist eben kein Wunschkonzert…

Ob wir unsere Arizona Cardinals über die vergangenen fünf Jahre ohne Carson Palmer jemals so erlebt hätten, mit Arians’ “No risk it, no biscuit”-Mentalität, als Super Bowl Favorit, als respektiertes Team in Expertenkreisen und unter Fans? Ich glaube es nicht.

Dafür und für alles andere sagen wir danke, Carson!