ALL THE BISCUITS IN THE WORLD

ALL THE BISCUITS IN THE WORLD

3. Januar 2018 0 Von Dominik Hoch

Als Bruce Arians am Montag Abend um 19.15 Uhr unserer Zeit den Raum zu seiner Pressekonferenz betrat, wussten eigentlich alle, die Eins und Eins zusammenzählen können, was nun folgen würde:

Er erklärte seinen Rücktritt als Head Coach der Arizona Cardinals.

Obwohl man es erahnen konnte, war dies ein sehr emotionaler Moment für Bruce Arians, für die Cardinals und für alle Fans.

Mittlerweile ist es Mittwoch Abend, die Emotionen sind wieder unter Kontrolle und die Geschehnisse können richtig eingeordnet werden. Was die Zukunft bringt wissen wir nicht und können darüber im Moment nur spekulieren. Hier und jetzt wollen wir das aber nicht tun, sondern noch einmal zurückblicken auf fünf ereignisreiche und spannende Jahre unter Head Coach Bruce Arians.

Unsere Cardinals hatten nach den Erfolgen mit QB Kurt Warner eine schwierige Zeit durchlebt als sie sich für einen Trainerwechsel entschieden.

Die Suche nach dem richtigen Coach dauerte länger als es vielen Fans lieb war. Die Cardinals waren das letzte Team, das die wichtige Position besetzen und anfangs 2013 einen neuen Cheftrainer präsentieren konnte:

BRUCE ARIANS

Amtierender NFL Coach of the Year für seine Leistung als Indianapolis Colts Interim Head Coach während Chuck Pagano aufgrund von Leukämie abwesend war.

Gleich bei seiner ersten Pressekonferenz wurde einem bewusst, dass da ein etwas anderer Coach vor einem steht, als man es sich gewohnt ist. Erfrischend ehrlich und direkt waren seine Antworten und Ausführungen. Gespickt mit jeder Menge “F-Bombs” und memorablen Sprüchen.

Der bekannteste davon: “No risk it, no biscuit!”

Und so traten die Cardinals von Tag 1 an auch auf. Zusammen mit dem ebenfalls neuen GM Steve Keim gelang es Bruce Arians einen gestandenen, erfahrenen Quarterback ins Team zu holen – Carson Palmer. Viele weitere Veränderungen waren nötig. Nicht zuletzt wurde Publikumsliebling Larry Fitzgerald von der X-Position zum Slot Receiver umfunktioniert, was ihm anfangs gar nicht passte.

Die erste Saisonhälfte war sehr inkonstant aber man merkte spätestens Mitte der Saison, dass da ein gutes Team auf dem Feld stand, das sich im neuen System immer wie besser zurechtfindet. Das Spiel, das mich persönlich vollends überzeugte war jenes gegen Arians’ altes Team, die Indianapolis Colts. Ein absolut dominanter Auftritt und diskussionsloser 40-11 Heimsieg.

Als man dann gegen Ende der Saison auch noch bei den Seattle Seahawks gewann – nachdem man dort im Vorjahr 0-58 (WTF) zerstört wurde – konnte die Saison definitiv als Erfolg gewertet werden, auch wenn man die Playoffs mit einer Bilanz von 10-6 leider verpasste.

Der Aufwärtstrend setzte sich nächste Saison fort. Die Cardinals hatten mit 9-1 den besten Record in der NFL als sich QB Palmer das Kreuzband riss. Mit Back-Up Stanton konnte man sich noch leichte Hoffnungen machen, als dieser die Saison ebenfalls verletzungsbedingt beenden musste, war es um die Super Bowl Träume geschehen. Mit QB Lindley (eewww) schleppte man sich in die Playoffs und schied dort in der Wild Card Runde sang- und klanglos aus. Die klasse Leistung trotz den gravierenden Ausfällen und die an den Tag gelegte “Next Man Up” Mentalität führten zur zweiten Coach of the Year Auszeichnung innerhalb von drei Jahren.

Es sollte ein weiterer Anlauf folgen. Das tat er auch in grossem Stil: 2015 war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Arizona Cardinals! Ein zwei Ausrutscher zu Beginn der Saison sorgten dafür, dass man jedes Spiel ernst nahm und immer mit vollem Einsatz zu Werke ging. Es resultierte ein 13-3 Record und der zweite Platz in der NFC. Das Divisional Game zuhause gegen die Green Bay Packers ist auch heute noch in bester Erinnerung. Das darauffolgende NFC Championship Game hingegen würde man am liebsten vergessen. Dass die Arizona Cardinals die ganze Saison von einem Kamerateam begleitet wurden und daraus die beliebte Doku “All or Nothing: A Season with the Arizona Cardinals” entstand, macht 2015 umso spezieller.

Leider war das aber auch der Höhepunkt. Man fühlte sich gut nach der starken Vorsaison und dem ganzen Rummel um die Amazon Doku, vielleicht etwas zu gut. Die folgende Saison konnte man nicht an die starken Darbietungen anknüpfen. Irgendwie schien immer irgendwo Sand im Getriebe zu stecken und es resultierte eine Bilanz von 7-8-1. Schlimmer als die 8 ist fast die 1 am Ende. Das 6-6 Unentschieden zuhause gegen Seattle, was für ein besch****** Spiel…

Auch diese Saison blieb man unter den Erwartungen zurück. Einen grossen Anteil daran tragen sicherlich die vielen Verletzungen absoluter Leistungsträger und Teamstützen. Dass man am Ende eine Bilanz von 8-8 erreicht, muss schon fast als gute Leistung angesehen werden. Man kann auch problemlos argumentieren, dass dies eine absolut starke Trainerleistung von Bruce Arians gewesen ist. Dieses Team Woche für Woche bereit zu haben, Spieler die nie aufgeben und vollen Einsatz zeigen, Verletzungen durch neue Spielsysteme und Schemas ausgebügelt und zum Abschluss die Vögel aus dem Nordwesten besiegt. Keine erfolgreiche Saison aber ein versöhnlicher Abschluss.

Dass Bruce Arians nun zurückgetreten ist, ist vor allem auf menschlicher Ebene schade. Aus sportlicher Sicht kann man geteilter Meinung sein aber für mich persönlich ist es der richtige Schritt. Lieber trennt man sich jetzt und geht im Guten auseinander als dass man so einen coolen Typen feuern muss. Ein Umbruch ist für die Cardinals auch (über)fällig.

Hoffentlich kann Bruce seinen Ruhestand so richtig geniessen und sich angemessen um seine Frau, Kinder und Grosskinder kümmern.

Am Ende bleibt nur noch eines zu sagen:

DANKE FÜR ALLES, BRUCE!

Gönn dir Crown Royal und so viele Biscuits wie du willst, du hast es dir verdient. Cheers!