Die Alliance of American Football startet!

Die Alliance of American Football startet!

Was wäre, wenn…? Was wäre, wenn der erste Sonntag nach dem Super Bowl von American Football Fans nicht mehr als traurigster Sonntag des Jahres angesehen werden müsste? Genau diese Frage stellte sich Filmemacher Charlie Ebersol. Zusammen mit NFL Hall of Fame Mitglied Bill Polian gründete er die Alliance of American Football. Eine professionelle Liga, welche mit qualitativ hochwertigem Football den NFL Entzugserscheinungen entgegen wirkt. Und zugleich eine professionelle Liga, die all jenen potentiellen Stars, deren Traum einer NFL Karriere (noch) nicht in Erfülling ging, die Möglichkeit gibt, diesen weiterhin zu verfolgen und womöglich wahr zu machen. Dieses Wochenende ist es so weit, die Alliance of American Football, oder kurz AAF, startet in ihre erste Saison und wir fragten uns, ob sich diese Liga als fester Bestandteil des Football Kalenders etablieren kann und wie Ebersol & Co. dieses Ziel erreichen wollen.

 

Anders als in der Vergangenheit gescheiterte Versuche einer zweiten Profiliga, will die AAF nicht anders sein als die NFL. Sie soll bis auf einige Regeländerungen möglichst nahe an sie heran kommen. Ebenso sieht sich die AAF ganz bewusst nicht als Konkurrenzprodukt, im Gegenteil, die Kooperation mit der NFL wird angestrebt und wurde in einigen Bereichen bereits umgesetzt. Spiele der AAF werden unter anderem auch auf dem NFL Network zu sehen sein. Die AAF möchte das sein, was die NFL im Gegensatz zu den anderen grossen Sportligen in Nordamerika noch nicht, beziehungsweise nicht mehr hat, deren Ausbildungsliga.

Damit diese Spiele auch ansehnlich sind, wurde jede Menge Know-How und Erfahrung aus NFL Kreisen an Bord geholt. Troy Polamalu, Hines Ward, Justin Tuck, J.K. McKay und Dick Ebersol, Charlie’s Vater und Mitbegründer der XFL, sind nur ein paar Namen auf der ausführenden Ebene. Im Coaching Bereich geht es im gleichen Stil weiter: Mike Martz, Mike Riley, Michael Vick, Dennis Erickson, Rick Neuheisel, Steve Spurrier, Mike Singletary und so weiter. Zusammen kommen Führungskräfte und Coaches auf über 500 Jahre NFL Erfahrung.

Das Spielermaterial kann sich ebenfalls sehen lassen, auch wenn die ganz grossen Namen logischerweise fehlen. Über 70% aller aktuell von der AAF unter Vertrag genommenen Spieler waren in den letzten 18 Monaten in der NFL unterwegs. Dazu gehören Spieler wie QB Zack Mettenberger, QB Aaron Murray, RB Tren Richardson, RB Matt Asiata, RB Bishop Sankey, WR Chris Givens und QB Christian Hackenberg, welchen wir eventuell als Starter eines professionellen Football Teams zu sehen bekommen.

Zu den Investoren gehören viele Technologie Unternehmen aus dem Silicon Valley. Die MGM Gruppe ebenfalls hinter der AAF, genau so wie einige ehemalige und aktuelle Besitzer von Teams aus den nordamerikanischen Profiligen und prominente Persönlichkeiten wie zum Beispiel Shaquille O’Neal.

 

Die Teams

Die Liga startet mit acht Teams, sortiert in zwei Conferences (West & East). Diese spielen in einer 10 Wochen dauernden Regular Season jeweils zwei Playoff-Teams aus. Heim- und Auswärtsspiele in der eigenen Conference, plus vier Spiele gegen die andere Conference. Die vier Playoffteams spielen daraufhin in Las Vegas am 20. bzw. 21. April den jeweiligen Conference-Champion aus. Eine Woche später geht es wiederum in Las Vegas um die League Championship.

In der Eastern Conference treten an: die Orlando Apollos, die Memphis Express, die Atlanta Legends und die Birmingham Iron.

Die western conference besteht aus den San Antonio Commanders, den Salt Lake Stallions, den San Diego Fleet und den Arizona Hotshots.

 

Player Allocation

Die AAF verzichtet auf einen Draft, wie wir ihn aus der NFL kennen. Spieler werden den Teams abhängig von der Region, in welcher sie zuletzt College oder professionellen Football gespielt haben, zugeteilt. Durch ihren Bekanntheitsgrad in den entsprechenden Regionen soll eine stärkere Verbindung zu den (potentiellen) Fans geschaffen werden. Die Arizona Hotshots kriegen beispielsweise ehemalige Spieler von Arizona, Arizona State, UCLA, Texas Tech, New Mexico, Nevada, etc.

Hat ein Spieler in einem College gespielt, welches keinem der AAF Teams zugeteilt ist, entscheidet seine professionelle Erfahrung. Die Arizona Hotshots kriegen ehemalige Spieler der Cardinals, 49ers, Bears, Ravens und Eskimos (CFL).

Hat ein Spieler weder in einem zugeteilten College, noch professionellem Team gespielt, gilt er als nicht zuteilbar und kann von allen Teams unter Vertrag genommen werden. Er ist dann quasi die AAF Version eines NFL Free Agents.

Dieses System gilt für alle Positionen bis auf eine Ausnahme: die Quarterbacks. Für diese gibt es einen sogenannten “Pick or Protect Draft”. Nachdem die Quarterbacks aufgrund des Player Allocation Systems verteilt sind, haben die Teams die Option, einen für sich zu behalten. Alle anderen Quarterbacks stehen danach im Quarterback Draft zur Auswahl.

Alle Spieler werden unabhängig von ihrer Position mit einem 3-Jahresvertrag im Wert von $250’000.- ausgestattet. Dieser Vertrag enthält eine Ausstiegsklausel, welche es den Spielern erlaubt bei einem NFL Team zu unterschreiben und für dieses zu spielen.

 

Regeländerungen

Wer sich auch nur ansatzweise für Football interessiert wird den “No Call”, die nicht bestrafte Pass Interference, zum Ende des NFC Championship Games mitbekommen haben. So etwas kann in der Alliance of American Football nicht passieren, denn es werden Sky Judges eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen zusätzlichen Schiedsrichter, welcher sich die Plays live auf dem Fernseher mitanschaut und bei allfälligen Fehlern direkt mit den Schiedsrichtern auf dem Platz kommunizieren und eingreifen kann.

Die wohl bedeutendste und kontroverseste Regeländerung betrifft den Pass Rush. In der AAF dürfen nicht mehr als fünf Spieler pro Play dafür eingesetzt werden. Auf den ersten Blick Quatsch, nach den Ausführungen von Hines Ward jedoch zumindest verständlich. Die meisten Offensive Linemen hätten noch kaum kreative Blitzpakete und komplizierte Schemes gesehen. In der AAF wolle man Spieler bewerten können und die Quarterbacks beschützen. Man wolle damit “Overload Blitzes”, Corners und Safeties von der Backside kommend und freie Bahn zum Quarterback verhindern. Eventuell könne man das nach 2-3 Jahren ändern aber im ersten Jahr gehe man lieber sicher und schaue zuerst, ob die O-Liner Mann gegen Mann bestehen könnten. 

Weitere Regeländerungen sind:

  • Kein Kick Off und kein PAT. Stattdessen erhält ein Team direkt Ballbesitz an der eigenen 25 Yard Linie und nach einem Touchdown muss eine 2-Point-Conversion versucht werden.
  • Statt eines Onside Kicks kann ein vierter Versuch ausgespielt werden. 4th & 12 an der eigenen 28 Yard Linie. Erzielt das Team ein First Down bleibt es im Ballbesitz, gelingt das nicht übernimmt der Gegner.
  • Play Clock 35 Sekunden anstatt 40 Sekunden.
  • Keine automatischen Reviews. Den Coaches stehen zwei Challenges pro Partie zur Verfügung.
  • Overtime: Jedes Team erhält vier Versuche an der Gegnerischen 10 Yard Linie. Gibt es danach keinen Sieger endet das Spiel Unentschieden.
  • Keine TV Timeouts. Somit werden 60% weniger Vollbild Werbungen zu sehen sein, was einhergehend mit zuvor genannten Regeländerungen die Dauer eines Spiels auf 2.5 Stunden reduzieren soll.
  • Player Safety (kein Kick Off) und insbesondere Kopfverletzungen werden ernst genommen. Externe und von der Liga komplett unabhängige Ärzte kümmern sich um die Spieler.

 

Live im TV, Stream und via App

Mit dem Sender CBS konnte ein starker Partner gewonnen werden. CBS zeigt das Eröffnungs- und Endspiel live. Dazu kommen wöchentliche Übertragungen auf CBS Sports. NFL Network, TNT und Bleacher Report teilen sich die restlichen Partien auf. Wer also NFL Game Pass oder DAZN Abonennt ist, wird einige Spiele zu sehen bekommen.

Da es sich um eine komplett neue Liga handelt, kann auch auf der Produktions- und Übertragungsseite viel freier und kreativer zu Werke gegangen werden. So werden wir völlig neue Perspektiven und Einblicke ins Geschehen kriegen. Gepaart wird das zusätzlich mit einer App, in welcher man das Geschehen in Echtzeit mitverfolgen und vor den Spielzügen beispielsweise mittippen kann, was für einer gespielt wird. (In einer Q&A Sesseion kamen einige Interessante Dinge zur Sprache. Wer sich diese (Englisch) anhören möchte, kann dies unter folgendem Link tun: https://youtu.be/grFYJ-CRpnU?t=85)

 

 

Sounds good, doesn’t work?

Blickt man zurück auf vergangene Versuche ist das auf jeden Fall so. So wie die Alliance of American Football daher kommt klingt das aber alles ziemlich vielversprechend. Jede Menge schlaue Köpfe haben zur AAF, so wie wir sie dieses Wochenende zum ersten Mal zu sehen bekommen, beigetragen. Von den Gründern Charlie Ebersol und Bill Polian, über ehemalige NFL Stars, erfolgreiche NFL General Manager, bis hin zu den NFL erfahrenen Coaches. Finanziell ist man mit gewichtigen Investoren gut aufgestellt. Viele Ideen, besonders die regoinale Zuteilung der Spieler, machen sehr viel Sinn und die Regelabweichungen im Vergleich zur NFL sind sehr interessant und zumindest erprobenswert.

Eines bleibt aber, die besten Ideen und Konzepte, deren perfekte Ausführung und Umsetzung, bringen alles nichts, wenn das Hauptprodukt nicht stimmt. Und das ist der Football, den wir ab Sonntag zu sehen bekommen.

In diesem Sinne wünschen wir euch gute Spiele, so dass sich die AAF etablieren und die Leere nach dem Super Bowl füllen kann. Wir hoffen es!