Frage/Antwort: Detroit Lions 2019

Frage/Antwort: Detroit Lions 2019

7. September 2019 0 Von Dominik Hoch

Vor dem mit Spannung erwarteten Auftaktsspiel unserer Cardinals gegen die Detroit Lions beantwortet uns Jakob von Lions Pride Germany ein paar Fragen zu seinem Team aus der Motor City. Vielen Dank.

 


 

Hat Matthew Stafford noch was im Tank?

Matt Stafford ist ein Stehaufmännchen, mit ihm muss man immer rechnen. Doch vieles hängt von seiner Gesundheit und dem Spielermaterial um ihn herum ab.

Dinge, die letzte Saison nicht immer vorhanden waren. Mit Golden Tate (Trade mit den Eagles in Woche 8) und Marvin Jones Jr. (Saisonaus durch Verletzung Woche 10) und einem non-existenten TE-Raum, fehlten ihm letztes Jahr schlichtweg zuverlässige Anspielstationen.

Zudem spielte er ab Woche 13 die Saison mit gebrochenen Rückenknochen zu Ende.

Dennoch: Matt Stafford braucht dringend eine „Bounce-Back Season“ und dafür hat man in der Offseason einiges getan. Wie sehr ihn jedoch die privaten Umstände der Offseason, die Gehirntumor-OP und Reha seiner Frau Kelly, beeinflussen, bleibt abzuwarten.

 


 

Wo sind die Stärken und Schwächen eures Teams eurer Meinung nach?

Schwächen:

Eine Achillesferse der Defensive ist mit Sicherheit die unausgeglichene Passverteidigung. Nach Pro Bowler Darius Slay ist hier der Qualitätsabfall deutlich. Man sucht vergebens nach einer hochwertigen Ergänzung auf der CB2 Position. Mit Justin Coleman von den Seahawks erhofft man sich wenigstens auf der Nickel-CB Position deutlich verstärkt zu haben.

Auch die Passverteidigung der Linebacker ließ bisher zu wünschen übrig. Im eh recht dünnen LB-Raum fällt zudem Jarrad Davis, der Anker der Defensive, auf unbestimmte Zeit aus.

Eine weitere Baustelle ist die linke Guard Position und mit der Knöchelverletzung von Starting Center Frank Ragnow stehen hinter der Standfestigkeit der O-Line zu Saisonbeginn auch noch ein paar Fragezeichen.

Stärken:

Das Prunkstück der Lions ist die Interior D-Line. Mit Snacks Harrison, Mike Daniels, A’Shawn Robinson und Da’Shawn Hand hat man hier eine Top 5 Run-Defense. Diese wurde mit Edge Rusher Trey Flowers von den Patriots aufgemotzt. Wenn alles wie erhofft ineinandergreift, dann kann das eine druckvolle Einheit werden.

Als Stärke kann man im Vergleich zum letzten Jahr endlich auch die TE-Position sehen. Mit Jesse James von den Steelers und No. 8 Overall Pick T.J. Hockenson hat man hier Stafford zwei verlässliche Waffen zur Seite gestellt.

Außerdem sind WR Kenny Golladay und Marvin Jones Jr. gefährliche deep threats, die den Stärken von Matt Stafford entgegenkommen.

 


 

Wie steht ihr zum Duo Patricia/Bevell und deren offensiver Philosophie, die sich ja völlig gegen aktuelle Trends und analytische Erkenntnisse stellt? Steht man sich damit nicht selbst im Weg?

Warten wir es mal ab. Man muss das auch mal so sehen: Der Durst nach einem talentierten Running Back war in Detroit sehr groß. Und den haben wir im letzten Jahr mit Kerryon Johnson gedraftet. Er beendete prompt die seit 2013 (!) bestehende Negativserie, ohne ein Spiel mit einem 100 yard Rusher. Das muss man sich mal vorstellen.

Man freut sich nun auf seine weitere Entwicklung. Auch wenn es nun auf dem Papier nach altmodischer Run-First Offense aussieht, ist es unwahrscheinlich, dass man dies des reinen Laufspiels wegen durchziehen will. Hintergrund wird vor allem sein, Matt Stafford endlich mal zu entlasten. Dieser musste die Offense all die Jahre ohne Rungame auf eigenen Schultern tragen und durfte dafür auch überdurchschnittlich viele Sacks und Hits hinnehmen. Man will ihm damit den Druck nehmen und ihm durch ein ausbalancierteres Playcalling mehr Optionen geben, den Ball an den Mann zu bringen.

Klar ist jedoch: die Zeiten, in denen Stafford 600 bis 700 Mal im Jahr den Ball wirft, sind vorbei. Aber man erhofft sich vom neuen System, mit einem effizienteren Passspiel, von Quantität auf Qualität umzusteigen. Und da muss Stafford jetzt liefern.

 


 

Seht ihr Chancen auf die Playoffs?

Naja, kaum einer rechnet den Lions Chancen aus. Die Experten-Meinungen pendeln sich zwischen 3 und 7 Siegen ein. Selbst im eigenen Fanlager ist man eher realistisch und hofft generell erst Mal auf eine erkennbare, spielerische Steigerung zum Vorjahr.

Natürlich träumt man insgeheim von ein paar Überraschungserfolgen, wie im letzten Jahr gegen die Patriots. Aber zunächst müssen wir darauf achten, dass wir das harte Auftaktprogramm einigermaßen überstehen und mit dem Record nicht zu weit nach hinten fallen.

Nach einer unberechenbaren Saisoneröffnung gegen euch geht es brutal weiter: Zuhause gegen die Chargers, at Eagles, vs. Chiefs, at Packers und dann kommen die Vikings. Sollten wir aus diesen sechs Spielen mit mehr als 2 Siegen dastehen, wäre das für uns schon ein mehr als guter Start. Ob es dann am Ende zu den mindestens erforderlichen 10 Siegen reichen kann, bleibt fraglich – und wahrscheinlich ein kühner Traum.